Leben an Bord der ISS: Ein etwas anderer Alltag

European Space Agency astronaut Paolo Nespoli operating the Light Microscopy Module microscope aboard the International Space Station on a previous mission.
Credits: NASA

European Space Agency astronaut Paolo Nespoli operating the Light Microscopy Module microscope aboard the International Space Station on a previous mission. Credits: NASA

Wie sieht eigentlich Ihr Alltag so aus? Morgens aufstehen, frühstücken, duschen, ab zur Arbeit? Nach acht Stunden geht es dann nach Hause, mit Freunden treffen oder ein gemütlicher Abend zu Hause auf dem Sofa, Essen gehen, Kino, ein Date? An Bord der Internationalen Raumstation sieht alles ein wenig anders aus. Rausgehen ohne besondere Schutzvorkehrungen ist unmöglich, das liegt in der Natur der Sache, einfach so im Weltall spazieren- oder zur Arbeit gehen ist da nicht drin.

Schwebend schlafen im kleinen Kammern

Trotzdem – schlafen, essen, arbeiten: So sieht auch für unsere Astronautinnen und Astronauten der Alltag aus. Der Unterschied zu dem Leben auf der Erde aber liegt auf der Hand, umständlicher wird alles alleine aufgrund der Schwerelosigkeit. Es gibt kein Oben und kein Unten, Dinge, die nicht befestigt oder abgesaugt werden, schweben in der ISS herum. Dazu gehören natürlich auch ihre Bewohner. Dieser Fakt wirkt sich auf alle Aktivitäten aus: Zum Schlafen etwa können sie sich nicht einfach in ein Bett, auf eine Matratze, legen, denn wie gesagt, ein Oben und Unten gibt es nicht. In kleinen Kammern verstauen die Raumfahrer neben persönlichen Gegenständen wie Büchern und einem Notebook auch einen Schlafsack. Zur Schlafenszeit kuscheln sie sich dann in den befestigten Schlafsack und können so quasi in jeder Position schlafen, ohne in der Raumstation herum zu schweben. Fun Fact: Vier Astronauten schlafen rundherum im Kreis, die Kammern befinden sich an jeder „Wand“!

Astronautenwäsche mit feuchten Tüchern

Nach dem Aufwachen krabbeln sie aus ihren Kammern und schweben ins „Badezimmer“. Zähneputzen ist dank der auch unten auf der Erde klebrigen Eigenschaft der Zahnpasta problemlos wie daheim möglich. Die Zahnbürste wird dann in eine kleine Wasserblase getaucht, essbare Zahnpasta sorgt für eine minzige Mahlzeit am Morgen – wer das nicht so lecker findet, spuckt in Papiertücher aus. Weil Versuche, in der Schwerelosigkeit eine funktionierende Dusche zu installieren, bis jetzt immer fehlgeschlafen sind – schließlich wabert das Wasser in Blasen durch die ISS, wenn es nicht aufgehalten wird – müssen Raumstations-Bewohner sich mit feuchten Tüchern begnügen. Tücher finden sich in unterschiedlichen Variationen übrigens auch auf der Bordtoilette. Gemütlich auf der Toilette sitzen geht eher nicht, es gibt eine objektiv betrachtet recht winzige Luke sowie einen Schlauch. Es gilt also: genau zielen! Missgeschicke müssen sofort mit Hygienetüchern gejagt und entfernt werden, sonst – wir erinnern an die Schwerelosigkeit – schweben sie unkontrolliert im Raum.

Experimentenreiche Arbeitstage an Bord

Nach dem Frühstück in der Küche geht es dann nicht per Auto oder Bahn, sondern schwebend zur Arbeit. Bis zu zehn Stunden am Tag wird gearbeitet: an physikalischen, biologischen oder medizinischen Experimenten, innen an der Raumstation, an Anbauten außerhalb der ISS bei Spacewalks. Zum Pflichtprogramm gehören außerdem regelmäßige Sporteinheiten, damit die Muskulatur einigermaßen stark bleibt. Und nach der Arbeit können sich die Raumfahrer nicht wie auf der Erde einfach mit Freunden verabreden: Nur einmal wöchentlich steht eine Videokonferenz mit den Partnern oder der Familie auf dem Programm, während der gesamten Zeit an Bord haben sie meist immer die gleichen Menschen um sich. Jeder, der eine Weile auf beengtem Raum ähnliches erlebt hat, weiß: Leicht ist das nicht.

Lieblingsfreizeitbeschäftigung: Die Erde von oben betrachten

Und neben der Arbeit, dem Essen und Schlafen? Ist der Tagesablauf bei den Außerirdischen auf Zeit im Grunde ganz ähnlich wie bei den auf der Erde gebliebenen: Fünf Tage die Woche Arbeiten, Haus- beziehungsweise Stationsputz am sechsten, Freizeit am siebten Tag. Wer sich jetzt fragt, was man da oben um Himmels willen an einem freien Tag so machen kann, ganz ohne eine Bar, einen Park oder die Möglichkeit, spontan für einen Spaziergang hinauszugehen, dem sei gesagt: Bewohner der Internationalen Raumstation haben das allerbeste Kinoprogramm der Welt – sie blicken aus dem Bordfenster und haben einen grandiosen Ausblick, an dem sich wohl niemand je sattsehen würde.