Im Weltall das A und O: Teamwork

teamwork

„Einer für alle, alle für einen“ – ein Satz, der für Alexandre Dumas‘ Musketiere kein leerer war. Diese Worte fassen zudem kurz und bündig das zusammen, worauf es im All, an Bord der ISS, ankommt: auf eine enge Kooperation. Auf Teamwork. Hier existieren keine Feindschaften zwischen verschiedenen Nationen, hier lebt und arbeitet die wechselnde Crew Hand in Hand für die gemeinsame Vision einer bemannten, internationalen Raumstation.

Auch beim Transport von Mensch, Modulelementen, Experimenten oder Ersatzteilen setzt man auf Kooperation: Versorgungsgüter wurden bis März 2008 allein durch russische Progress-Frachter und Space Shuttles der USA ins All gebracht, dann sprangen die Europäer bis August 2014 mit dem ATV mit ins Boot. Das HTV, ein japanisches Versorgungsschiff, gesellte sich schließlich im September 2009 dazu, und 2012 beziehungsweise 2013 die beiden privaten, US-amerikanischen Frachter Dragon und Cygnus. Und für die Übergabe neuer Besatzungsmitglieder an die ISS und den Austausch der Crew sind momentan noch russische Sojus-Raumschiffe zuständig.

Teamwork im großen Ganzen

Die ISS ist gigantisch – in ihren Ausmaßen und als größtes, internationales Projekt der Welt. Die europäische ESA, Japan mit JAXA, Kanada mit der Canadian Space Agency, das russische Roscosmos und die NASA der USA – sie alle sind an diesem Außenposten der Menschheit beteiligt. Und beweisen, dass eine friedliche Zusammenarbeit an Bord der ISS nicht nur notwendig ist, sondern tatsächlich auch gut funktioniert, ganz egal, welche politische Diskussionen, Unruhen oder kriegerischen Auseinandersetzungen unten auf der Erde gerade eine Rolle spielen.

Allein der Bau des Außenpostens erforderte ein Teamwork der Nationen: Die Abmessungen der ISS ließen es nicht zu, sie im Ganzen auf der Erde zu bauen und ins Orbit zu schießen. Also wurden ihre einzelnen Module am Boden gebaut – in den USA und Kanada, in Europa, Russland oder Japan – und nach und nach ins All transportiert. Um dort zur Internationalen Raumstation montiert zu werden, waren mehr als 40 Missionen notwendig. Zwar sind diese Module besonders auf die von der jeweiligen Nation geplanten Experimente vorbereitet, die Besatzung der ISS arbeitet dennoch in allen gemeinsam. Beendet sind die Arbeiten im Weltall nicht – denn wie bei einer Modelleisenbahn, die ganz wie ihre hochspezialisierten Schwester im Weltall stückchenweise aufgebaut wird, gibt es auf der Raumstation nicht nur immer etwas zu tun, sondern auch regelmäßig Umbauten, Instandhaltungen und kleinere Reparaturen.

Teamwork untereinander an Bord

Jetzt kommen unsere außerirdischen Musketiere ins Spiel: Monate oder sogar Jahre werden sie vor ihrem Einsatz im Weltall auf eben diesen intensiv vorbereitet. Auf die Experimente, die sie an Bord der Raumstation durchführen werden. Auf das Zusammenbauen oder Installieren verschiedener Modulelemente. Und darauf, mit den Raumfahrerinnen und Raumfahrern der anderen Nationen in alltäglichen oder nicht so alltäglichen, verzwickten und manchmal auch gefährlichen Situationen zusammenzuarbeiten – im Team. Insbesondere bei den riskanten, für den Ausbau der ISS aber notwendigen Spacewalks sind sie aufeinander angewiesen. Astronauten im Außeneinsatz kommunizieren ständig miteinander und mit der Besatzung, die an Bord geblieben ist, so merken sie schnell, wenn etwas einmal nicht nach Plan verläuft. Denn auch wenn alle Arbeitsabläufe im Training auf der Erde so oft wiederholt wurden, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind: Vor unvorhergesehenen Zwischenfällen wie defekter Technik oder einer plötzlichen Bewusstlosigkeit des Spacewalk-Partners schützt das nicht. Gut, dass unsere Astronauten sowohl hochqualifizierte Modulbauer als auch Teamplayer sind – und sich im Notfall auf den anderen verlassen können.

Der Mensch sei eben das wichtigste Back-up der Raumfahrt, so ESA-Mitarbeiter und Trainer Lionel Ferra. Treffende Worte fand auch Alexander Gerst nach seiner Rückkehr auf unseren blauen Planeten. Er beschreibt, wie Grenzen, die für Menschen auf der Erde anscheinend so wichtig sind, von so weit oben nicht erkennbar seien. Sehr schade, wirklich, dass nur wenigen die Möglichkeit vergönnt ist, die Welt von dieser Perspektive zu betrachten. Vielleicht wäre angesichts solcher Erfahrungen hier unten einiges anders. Und wir alle wären ein bisschen so etwas wie Musketiere. Eben einer für alle, und alle für einen.