Ein Zwilling an Bord der ISS, der andere unten auf der Erde

Einmal mit, einmal ohne Schnauzer – Bild: nasa.gov

Einmal mit, einmal ohne Schnauzer – Bild: nasa.gov

Eineiige Zwillinge haben oft mit Klischees zu kämpfen: Nie könne man sie auseinanderhalten, immer ziehen sie einheitlich Kleidung an, und überhaupt, wann werden sie je im Alleingang erspäht, es gebe sie doch ausschließlich im Doppelpack. Wie das nun einmal so ist mit Klischees, dann und wann haben sie einen wahren Kern. Zwillinge gleichen sich häufig wie ein Ei dem anderen, zumindest in der Kindheit werden sie oft von Mama und Papa in den gleichen Pulli und die gleiche Hose gesteckt, und davon, dass sie als Erwachsene sogar zusammenleben, haben wir auch schon mal gehört. Und manchmal, manchmal, da werden sogar beide Astronaut.

Ein Zwillingspärchen, zwei Astronauten

Scott und Mark Kelly sind eineiige Zwillinge, beide haben sich an der US Naval Test Pilot School zu Testpiloten ausbilden lassen – und beide wurden 1996 für die 16. Astronautengruppe der NASA nominiert. Dass Zwillinge in die Astronautenauswahl gekommen sind und schließlich auch ausgewählt wurden, ist übrigens bis jetzt einmalig in der Geschichte der US-amerikanischen Weltraumbehörde. Und irgendwie auch ziemlich nützlich: Das Astronauten-Geschwister eignet sich naturgemäß ganz hervorragend für eine große Zwillingsmission.

Perfekte Voraussetzung für Zwillingsmission

Wie wir Nicht-Astronauten nur vom Hörensagen beziehungsweise dank theoretischer Recherche wissen und ehrfürchtig erahnen, ist das Leben an Bord der Internationalen Raumstation in vielen Dingen tatsächlich ein wenig anders. Die unterschiedlichen Lebensbedingungen über unseren Planeten sind ein unerschöpflicher Quell für viele Fragen, die sich so einfach nicht beantworten lassen: Wie verändert sich der Körper an Bord der ISS? Wäre er auf der Erde genauso gealtert oder sorgt die stärkere kosmische Strahlung dafür, dass Menschen schneller altern, wie sieht es mit Muskel- oder Knochenschwund aus, was sind die Folgen für unsere DNA? Die Voraussetzungen für einen Vergleich zwischen den Auswirkungen der Umwelt auf der Erde oder den Belastungen auf den Körper im Weltall könnten also wirklich kaum besser sein: Einer der Brüder verbringt eine gewisse Zeit im All, der andere bleibt zu Hause; auf die Zwillingezugeschnittene Tests, spezielle Untersuchungen und allgemeine Analysen sollen schließlich neue Antworten geben – und Erkenntnisse darüber geben, wie der Mensch sich langen Weltraumaufenthalten anpasst.

Ein Zwilling auf Langzeitmission an Bord der Internationalen Raumstation

Ende März 2015 hieß es daher für Scott Kelly: Nach langer Vorbereitung wieder den kleinen Koffer packen, und auf zur Langzeitmission an Bord der Raumstation. Wer jetzt leises Bedauern für den daheim gebliebenen Zwilling verspürt, dem sei zur Beruhigung gesagt, dass dieser heute Astronauten-Rentner ist und selbst bereits vier Mal einen Ausflug außerhalb der Erde unternommen hat. Ganz enttäuscht wird Mark Kelly daher hoffentlich nicht sein. Der Unterschied zu den vorhergegangenen Missionen beider Raumfahrer liegt dabei in der Dauer des Verbleibs an Bord. Ein ganzes Jahr wird Scott nun dort oben verbringen und Experimente durchführen, während sein Bruder als Teil derselben Mission die gleichen Tests durchläuft. Sowohl Körper als auch Geist werden miteinander verglichen: das Erbgut, das Sehvermögen, die Reaktion auf eine Impfung, das Immunsystem, logisches Denken und die grundsätzliche Wahrnehmung. Besonders im Hinblick auf einen möglichen Mars-Besuch oder sogar einer eventuellen Dauer-Einkehr auf dem weit entfernten, gar nicht mal so roten Planeten unfassbar spannend. Wir sind gespannt!