Astronauten-Fashion: Gut (und sicher) angezogen im All

astronauten_anzuege

Bild: wikimedia.org

Bild: NASA bei space.com

Wenn wir jetzt Ihren Kleiderschrank öffneten, was würden wir darin finden? Trendige Hosen, coole Schuhe, schicke Oberteile und der Business-Look für die Arbeit, oder setzen Sie den Fokus eher auf gemütliche, praktische Kleidungsstücke? Ganz egal, welches Outfit jemand wann bevorzugt, sich Gedanken darüber machen, dass es das eigene Leben schützen soll, müssen nur die wenigsten. Bei Raumfahrerinnen und Raumfahrern spielt diese Frage allerdings naturgemäß durchaus eine Rolle. In der Schwerelosigkeit sind tatsächlich andere Aspekte wichtiger als unten auf der Erde.

Zeitlos: Das Raumschiff zum Anziehen

Ein sicherheitsbewusster Astronaut braucht unterschiedliche Kleidung mit verschiedenen Prioritäten: Auf dem Hin- und Rückflug zur Internationalen Raumstation kommen beispielsweise sogenannte „Launch and Entry Suits“ zum Einsatz, gerne in stylishem Orange.

Diese sind nicht ganz so aufwendig und kompliziert aufgebaut wie die Raumanzüge, die wir zumindest rein optisch so gut kennen. Diese Raumanzüge sind quasi Mini-Raumschiffe: echte kleine Habitate, die dafür sorgen, dass die Vitalfunktionen Ihrer Trägerinnen und Träger bei außerbordlichen Aktivitäten wie Spacewalks erhalten bleiben. Der Anzug setzt sich dafür unter Überdruck, ein daran angeschlossenes oder eingebautes Sauerstoffgerät ersetzt das ausgeatmete Kohlendioxid durch Sauerstoff. Dank vieler technischer Module werden zudem die Temperatur und der Druck aktiv ausgeglichen. Platz für eine Kameraüberwachung und Kommunikationseinheiten ist (im kugeligen Helm) natürlich auch. Damit der in Hinsicht auf die lebensfeindlichen Bedingungen im All doch sehr zerbrechliche Menschenkörper wirklich gut geschützt ist, besteht das Raumschiff zum Anziehen neben Neopren-, Teflon- und Kevlarschichten auch aus festen Kunststoffen, High-Tech-Fasern wie feuerhemmendes und widerstandsfähiges Aramid sowie Aluminium und anderen Metallen. Und darunter? Astronautenunterwäsche bei Weltraumspaziergängen ist keineswegs sexy: Lange Unterwäsche, ein Flüssigkühlsystem und, ja, Windeln sind besonders bei stundenlangen Außeneinsätzen ganz nützlich.

Neuer Style mit mehr Beweglichkeit

Das Design ist zeitlos – seit mehr als 40 Jahren ist der Raumanzug der NASA weitestgehend gleich geblieben. Design ist aber auch nicht alles, funktionieren und sicher sein muss er auch: Ein bisschen sperrig ist er deshalb zugegebenermaßen ja schon. Aus diesem Grund arbeitet die US-amerikanische Weltraumbehörde derzeit an neue Arbeits- und Dienstkleidung für zukünftige ISS-Bewohner. Dem Z-1 zum Beispiel erinnert aparterweise recht stark an Buzz Lightyear aus „Toy Story“. Diesen Anzug müssen Spacewalker dann nicht mehr umständlich zusammenstecken, hier steigen sie dann einfach vom Rückenteil aus hinein. Die Materialien sind viel flexibler und garantieren mehr Bewegungsfreiheit.

Praktisch und dem Leben an Bord der ISS angepasst: Bordkleidung

Und im Astronauten-Alltag? So richtig praktisch sind die klobigen Raumanzüge ja wahrlich nicht. Und innen im Schutz der ISS auch nicht wirklich notwendig. Also trägt der Astronaut von Welt an Bord der Raumstation heute ganz praktische Kleidung – Shirts, Overalls, Hosen. Der Unterschied zur normaler Erdenklamotte liegt dabei insbesondere im Material: Antistatische, fusselfreie und reißfeste Baumwolle ist das Material der Stunde, und viele, viele Taschen und geniale Klettbänder machen das Verstauen der Werkzeuge und anderer Dinge leichter. Während der Vorbereitung auf die Mission wählen die Astronauten aus der russischen oder amerikanischen Weltraumkollektion ihre Lieblingsstücke aus – farblich harmonieren sie übrigens mit dem Interieur der ISS, schrille Muster oder Farben sind hier nicht zu finden. Und gewaschen, gewaschen werden die Kleidungsstücke nicht. Sie werden nach ihrer Tragezeit schlicht in eine Kapsel gesteckt und wie der anfallende Müll zum Verglühen Richtung Erde geschickt. Hat ja auch irgendwie was.