Astronauten als Internet-Stars: Social Media an Bord der ISS

cristoferetti

Bild: nasa.gov

Ist der Weltall bereits erschlossenes Terrain? Jedenfalls gibt es seit einigen Jahren auch dort Internet, was irgendwie unfassbar wirkt und durchaus bemerkenswert in einer ansonsten lebensfeindlichen Außenwelt, die sich die raumfahrenden Nationen mit einer abenteuerlichen Metall- und Kunststoffkonstruktion namens Internationale Raumstation erobern. Und wenn wir ehrlich sind, assoziieren wir unten Gebliebenen die Kommunikationskultur manchmal noch immer mit scheppernden Funkstimmen, auch wenn wir wissen, dass alles heute längst anders aussieht.

Was tun während der freien Zeit an Bord der ISS?

Viel los ist an den freien Tagen und Stunden nicht da oben. Und viel Abwechslung gibt es nicht. Dafür vielleicht zwangsläufig irgendwann einen Lagerkoller, wenn man monatelang rund um die Uhr mit den immer gleichen Mitreisenden in 400 Kilometer Höhe mit ungefähr 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde kreist. Was wir aber nicht vergessen dürfen: Die temporären Bewohner der Internationalen Raumstation haben da oben die allerbeste Aussicht aller Erdenmenschen. Sie schauen uns gewissermaßen auf den Kopf. Sie sehen nicht die Sonne oder den Mond auf- und untergehen, sondern eben unsere Erde, blicken jeden Tag auf diese blaue Kugel, die unser Zuhause ist.

Da will und braucht man eine Abwechslung überhaupt nicht. Richtige, echte Langeweile kann bei diesem Blick aus dem Fenster außerdem kaum aufkommen, wohl aber das Bedürfnis, dieses großartige Erlebnis mit anderen Menschen zu teilen. Unter diesen Bedingungen würden sicher auch die härtesten Social-Media-Verweigerer zu virtuellen Kommunikationsjunkies. Facebook, Twitter, Instagram – wenn man diese Technologien irgendwo wirklich dringend braucht, dann im All. Themenfindungsschwierigkeiten dürfte zudem denen da oben ein Fremdwort sein – wer bekäme von dem Ausblick ernsthaft jemals genug? Und Alltagsbanalitäten wie Haare waschen oder Zähne putzen werden in der Schwerelosigkeit zum ungeheuer spannenden Unterhaltungsprogramm.

Statusupdates nicht von dieser Welt

Kein Wunder also, dass die Statusmeldungen aus der Umlaufbahn zu den schönsten Kleinoden der Social-Media-Galerien zählen. War es zu den Pionierzeiten der bemannten Raumfahrt die krisselige Übertragung aus dem All, sind es heute Tweets und Postings mit gestochen scharfen Fotos oder Videos auf YouTube, die Menschen auf der ganzen Welt begeistern. Chris Hadfield hat das besonders gut gemacht:

Der Astronaut checkte im Dezember 2012 bis Mitte Mai 2013 auf der ISS ein und wurde während dieser Zeit nicht nur der erste kanadische Kommandant der Raumstation, sondern auch zum Social-Media-Star. Hadfield drehte Videos zum Leben an Bord der ISS und lud sie auf seinen YouTube-Kanal, twitterte Aufnahmen der Erde und ließ sich, ebenfalls über Twitter, auf einen Wortwechsel à la Star Trek mit William Shatner, Leonard Nimoy und George Takei ein. Unvergessen auch seine Interpretation von David Bowies „Space Oddity“, von dem Astronauten selbst eingesungen und natürlich von einem entsprechenden Musikvideo flankiert. Übrigens: Streng genommen gebührt die Ehre der ersten, außerirdischen „Social-Media-Aktion“ eigentlich Buzz Aldrin. Das allererste Weltraum-Selfie geht nämlich, 1966 aufgenommen, tatsächlich auf sein Konto.

Heute: Astronaut = Social-Media-Experte

Auch unser „Astro-Alex“ machte sich als Social-Media-Phänomen ganz hervorragend. Unter diesem Namen postete Alexander Gerst seine großartigen Fotos auf Tumblr und sorgte weltweit auf weiteren Online-Plattformen für Furore: Ein Statusupdate auf Facebook oder Twitter gab es von ihm dabei fast täglich. Zwar sind sowohl Chris Hadfield als auch Alexander Gerst derweil nicht mehr an Bord der Internationalen Raumstation, der Social-Media-Kelch aber machte bei Samantha Cristoforetti Halt: Auch sie ist das Gegenteil eines Kommunikationsmuffels, ist bei Flickr, Facebook und Twitter aktiv.

Andere wie Rick Mastracchio versuchen sich im Raumanzug als Selfie-Fotografen oder werden wie Buzz Aldrin erst nach ihrer aktiven lange nach ihrer aktiven Zeit zum Internet-Star (auch wenn letzterer ja wie gesagt bereits vor Jahrzehnten ein Händchen für Selfies hatte). Zum Glück für dauerhafte Erdenbewohner: Denn so lässt sich das Faszinosum, unsere Welt buchstäblich von außen zu betrachten, beinahe auch für uns Nicht-Astronauten greifen.